BERUFSAUSBILDUNG LOHNT SICH!

DaimlerChrysler AG, 70546 Stuttgart

Herr Günther Fleig, Personal- und Arbeitsdirektor

Wir haben folgende Fragen gestellt:
1. Lohnt es sich für Jugendliche immer noch eine Berufsausbildung zu machen?
2. Lohnt es sich für Ihr Unternehmen Berufsnachwuchs auszubilden?
3. Stimmt die Aussage von Benjamin Franklin auch heute: «Investitionen in Wissen und Ausbildung bringen immer noch die besten Zinsen.»
4. Was können/sollen die Lehrkräfte in Zukunft unternehmen, um ihre Schüler besser auf die Anforderungen der Berufswelt vorzubereiten?

1. Die weiterhin rasante Veränderungsgeschwindigkeit in der Arbeitswelt - in der Automobilindustrie genauso wie in anderen Branchen – erfordert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die lernen gelernt haben. Eine qualifizierte Berufsausbildung vermittelt diese Fähigkeit und ist daher noch immer eine gute Grundlage, während des Berufslebens mit der Entwicklung Schritt zu halten. Es wird auch weiterhin Aufgaben für Facharbeiter/innen und Sachbearbeiter/innen geben. Die fachlichen Anforderungen werden auf dieser Ebene eher zunehmen. Es lohnt sich also nach wie vor, mit einer Berufsausbildung zu starten. Das sichert die berufliche Existenz auf einem guten Niveau und gibt einem die Möglichkeit, durch gezielte Weiterbildung die eigene Karriere voranzutreiben.

2. Die Unternehmen müssen ihren Nachwuchs auch selbst ausbilden, denn nur so kann eine praxisgerechte und dem Stand der Technik entsprechende Ausbildung sichergestellt werden. Auch in Zukunft wird sich bei DaimlerChrysler der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften auf einem konstant hohen Niveau befinden - gerade in investitionsintensiven Produktionsbereichen. Aber auch in der Serienfertigung müssen die Mitarbeiter gut qualifiziert sein. Mit dem »Fertigungsmechaniker« oder dem »Mechatroniker« gibt es z.B. moderne Berufsbilder, die für diese Tätigkeitsbereiche nahezu maßgeschneidert sind. Selbst ausgebildete Mitarbeiter entwickeln vom ersten Tag an eine sehr enge Bindung an das Unternehmen; das ist nicht zu unterschätzen. Und trotz über vier Millionen Arbeitslosen in Deutschland sind gut qualifizierte Fachkräfte am Arbeitsmarkt schwer zu bekommen. Für DaimlerChrysler ist die strategische Nachwuchssicherung daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor - auch mit Blick auf die bevorstehende demografische Entwicklung.

3. Wir können Benjamin Franklin zustimmen. Wir betrachten Ausgaben für Ausbildung und Qualifizierung eher als Investition in die Zukunft und weniger als Kosten im Sinne des Controllings. Man muss es dann aber auch verstehen, die »Zinsen« für das Unternehmen zu erschließen. Das heißt, man muss das Wissen der Mitarbeiter abrufen, indem man sie z.B. ihrer Qualifikation entsprechend einsetzt. Aber auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit die Mitarbeiter motiviert werden, ihr Wissen dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Ein ausgeklügeltes Wissensmanagement ist also eine wichtige Voraussetzung, damit Investitionen in Wissen und Ausbildung die gewünschten Erträge bringen.