BERUFSAUSBILDUNG LOHNT SICH!
Verband Schweizer Metzgermeister, 8032 Zürich
Herr Dr. Balz Horber, Verbandsdirektor
Wir haben folgende Fragen gestellt:
1. Lohnt es sich für Jugendliche immer noch eine Berufsausbildung zu machen?
2. Lohnt es sich für Ihr Unternehmen Berufsnachwuchs auszubilden?
3. Stimmt die Aussage von Benjamin Franklin auch heute: «Investitionen in Wissen und Ausbildung bringen immer noch die besten Zinsen.»
4. Was können/sollen die Lehrkräfte in Zukunft unternehmen, um ihre Schüler besser auf die Anforderungen der Berufswelt vorzubereiten?
1. Gerade am Beispiel der Fachleute für das Nahrungsmittel Fleisch lässt sich gut erkennen, dass beruflich-handwerklich ausgebildete Fachkräfte ausgezeichnete Erfolgs- und Entwicklungschancen haben. Trotz allgemeiner Wirtschaftsflaute herrscht in der Branche eine ausgesprochene Knappheit an qualifiziertem Personal. Anderseits sind – auch wenn modernste technische Hilfsmittel eingesetzt werden – die Prozesse relativ arbeitsintensiv, d.h. dass der Mensch die bei weitem entscheidende Rolle spielt und nur sehr bedingt durch maschinelle Verfahren ersetzt werden kann. Die technischen Geräte, die zum Einsatz gelangen, stellen keine geringen Anforderungen, sind aber im eigentlichen Wortsinne «Hilfs»-Mittel für Verfahren, die vom individuellen Können des Fachmannes und der Fachfrau abhängig sind. Ihre Fähigkeiten sind deshalb entscheidend für den Unternehmenserfolg. Dementsprechend sind die Fachkräfte begehrt und geschätzt. Im kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist die Fachkraft denn auch sehr rasch die Vertrauensperson des Inhabers; in grösseren Betrieben sind die Aufstiegschancen in Kaderpositionen äusserst günstig.
2. Ganz bestimmt ist für jedes Unternehmen der Fleischbranche, sei es gewerblich oder eher industriell ausgerichtet, eine äusserst lohnende Investition. Nebenbei bemerkt ist in Zeiten des Lehrstellenmangels in der Fleischbranche das Angebot an Lehrstellen höher als die Nachfrage. Es lohnt sich deshalb auch für die jungen Leute auf der Berufswahlstufe, sich mit den Berufen der Fleischverarbeitung auseinanderzusetzen.
3. Die Aussage hat in all den Jahren kein bisschen an Aktualität eingebüsst und gewinnt heute sogar an Bedeutung. Um wiederum das Beispiel der Fleischbranche zu nehmen: In Zeiten konjunktureller Schwierigkeiten steigen erfahrungsgemäss die Lehrlingszahlen. Dies hat sicher auch damit zu tun, dass die «Metzger»-Berufe nicht zu den Trend-Berufen gehören, weil falsche Vorstellungen zum Berufsbild fast nicht auszurotten sind. So sind die Lehren der Fleischbranche manchmal Berufswünsche der zweiten oder dritten Wahl, die in «guten» Zeiten nicht zum Zug kommen, aber in «schlechter» Wirtschaftslage gerne genutzt werden. Diese Situation ist überhaupt nicht negativ zu beurteilen, sondern stellt eine echte Chance dar: Die Branche kann «azyklisch» das Potenzial an Fachkräften erweitern und die Auszubildenden erkennen oft, dass sich Erfolg und Befriedigung auch dann einstellen, wenn nicht – manchmal illusionäre – «Traumjobs», sondern anspruchsvolle handwerkliche Fertigkeiten anvisiert werden.